Ökologischer Landbau und Fairer Handel in Entwicklungsländern
Zum Auftakt der Kampagne „Öko + Fair ernährt mehr!“ beauftragten der Weltladen-Dachverband und Naturland 2009 die Universität Kassel und das Deutsche Institut für Tropische und Subtropische Landwirtschaft GmbH (DITSL) in Witzenhausen mit der Durchführung einer Studie mit dem Titel „Ökologische Landwirtschaft und Fairer Handel in Entwicklungsländern“.

Ziel der Studie war es, die bisher veröffentlichte Literatur und vorhandene Daten zum Öko-Landbau und zum Fairen Handel zu sichten und hinsichtlich des Beitrages zu Welternährung und Entwicklung auszuwerten. Die Ergebnisse zeigen ein eindeutiges Bild: Öko-Landbau und Fairer Handel können einen deutlichen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung leisten. Die Fragen, die sich dabei stellen, sind: Wie sieht dieser Beitrag aus? Welche Erfolgsbeispiele gibt es? Wie kann darauf im Norden und im Süden aufmerksam gemacht werden?
Die Studie gliedert sich in vier Teile, in denen der Frage nachgegangen wird, wie im Rahmen des ökologischen Landbaus und des Fairen Handels ein Beitrag zu zukunftsfähiger Welternährung geleistet werden kann. Eine Literaturübersicht und länderspezifische Studien, die den Rahmen der Studie abstecken, werden durch Expertenmeinungen und Handlungsempfehlungen ergänzt.
Die vergangenen Jahre haben aufgezeigt, dass trotz einer Überproduktion an Agrarprodukten die Zahl der Hungernden nicht vermindert werden konnte. Paradoxerweise sind vor allem diejenigen vom Hunger betroffen, die in der landwirtschaftlichen Produktion tätig sind. In den Familien von Kleinbauern, Fischern und Landlosen sind wiederum insbesondere die Kinder betroffen.
Als unterernährt gilt, wer weniger als 1.700 kcal pro Tag zu sich nimmt. Dieser Durchschnittswert sagt jedoch nichts über die Zusammensetzung der Nahrung und eine mögliche Mangelernährung aus.
Ökologischer Landbau und Ernährungssicherung
Die Studie stellt durch Rückgriff auf verschiedene Forschungsergebnisse einen expliziten Zusammenhang zwischen ökologischem Landbau und Ernährungssicherung heraus. Die ökologische Landwirtschaft bringt eine ganze Reihe positiver Auswirkungen mit sich: Durch den Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel machen sich Kleinbauern und -bäuerinnen unabhängig von externen Betriebsmitteln und können damit gleichzeitig hohe Kosten einsparen. Öko-Landbau ist ein systemischer Ansatz, mit dem Ressourcen geschont werden und Erträge gesteigert werden können. Durch natürliche Dünger und angepasste Fruchtfolgen verbessert sich die Bodenfruchtbarkeit stark; Erosion und weiterer Bodenzerstörung wird somit entgegengewirkt. Auch das Wassermanagement profitiert davon. Darüber hinaus führt die Einbindung der Landwirte in die Umstellung auf ökologische Anbaumethoden zu einer Stärkung der Eigenverantwortung und motiviert zu mehr aktiver Beteiligung. Die Studie betont, dass Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung wesentliche Faktoren bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft sind. Durch gezielte Forschung und vor allem Wissensvermittlung besitzt der Öko-Landbau in vielen Regionen der Welt enormes Potenzial zur Steigerung der Erträge.
Neben der Ertragssteigerung und dem Schutz der Ökosysteme ist ein wesentlicher Faktor für eine nachhaltige Welternährung die Frage nach der gerechten Verteilung von Nahrungsmitteln. In den vergangenen 40 Jahren ist die Weltnahrungsmittelproduktion insgesamt um 145% und die pro Kopf-Lebensmittelversorgung um 17% gestiegen. Derzeit würde die globale Nahrungsmittelproduktion für die angemessene Ernährung von 6,7 Milliarden Menschen ausreichen. Doch es zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede in der Nahrungsmittelproduktion und -verfügbarkeit. In Afrika beispielsweise ist die Produktion von Nahrungsmitteln pro Kopf seit 1960 um 10% gesunken.
Fairer Handel statt ungerechter Marktmechanismen
Dass vor allem Kleinbauern einer unsicheren Ernährungssituation ausgesetzt sind, hängt eng mit dem globalen Handelssystem zusammen. Die Mechanismen des Weltmarktes führen dazu, dass Kleinbauern selbst auf dem lokalen Markt immer mehr der Konkurrenz durch internationale Nahrungsmittelimporte ausgesetzt sind. Fehlender Absatz auf dem lokalen Markt und ein zu niedriges Einkommen aus Exporten bringt Kleinbauern und -bäuerinnen in eine prekäre Lage: Sie können sich und ihre Familien nicht mehr ernähren, da langfristig fehlendes Einkommen dazu führt, dass sie Saatgut und andere Mittel für die landwirtschaftliche Produktion und Selbstversorgung nicht bezahlen können.
Demgegenüber stellt der Faire Handel eine Handelspartnerschaft auf gleicher Augenhöhe dar, die auf Dialog, Transparenz und gegenseitigem Respekt beruht. Das Einkommen, das aus dem Export im Fairen Handel gewonnen wird, trägt dazu bei, dass KleinproduzentInnen sich selbst versorgen und in eine nachhaltige Wirtschaftsweise investieren können.
Welchen Beitrag ökologischer Landbau und Fairer Handel zur Ernährungssicherung leisten können, zeigt sich in der Studie am deutlichsten an den Fallbeispielen aus unterschiedlichen Ländern des Südens. Während Uganda einen weit entwickelten Bio-Sektor hat und eine im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern hohe nationale Nachfrage nach Bio-Produkten aufweist, liegt der Bio-Sektor in Kenia deutlich zurück. Im Fallbeispiel der Philippinen wird eine Initiative vorgestellt, die sich durch die Wiedereinführung lokal angepasster Reis- und Maissorten für Agrobiodiversität und kleinbäuerliche Produktionssysteme einsetzt. In Brasilien profitieren Kleinbauern von der Einführung freiwilliger sozialer Standards des Fairen Handels, die zu einer klaren Einkommenssteigerung bei zertifizierten Kleinbauern und -bäuerinnen führt. Als letztes Fallbeispiel wird das indische Dorf Punukula in Bundesstaat Andra Pradesh vorgestellt, das zwischen 2000 und 2004 seine landwirtschaftliche Produktion komplett auf Öko-Landbau umgestellt hat. Daraus resultierten nicht nur erhöhte Einnahmen für die Bauern, sondern auch bessere hygienische Bedingungen und eine erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften in der Landwirtschaft.
Das Fazit der Studie lautet, dass ökologischer Landbau einen deutlichen Beitrag zur Ernährungssicherung von Kleinbauern und -bäuerinnen leisten kann und zunehmend auch für den Absatz auf lokalen Märkten produziert werden sollte. Der Faire Handel hat darüber hinaus die einmalige Eigenschaft, nicht nur ökologische und soziale, sondern auch ökonomische Kriterien zu berücksichtigen, was noch intensiver an die Verbraucher im Norden kommuniziert werden muss. Die Kombination von Öko + Fair ist keine realitätsferne Idee, sondern ein pragmatischer Ansatz, der dauerhafte Lösungen für Ernährungsproblematiken finden kann. Eine wichtige Aufgabe zukünftiger Agrarforschung wird es sein, die langfristigen Vorteile dieses Ansatzes herauszuarbeiten.
Die komplette Studie steht im Servicebereich zum Download bereit.
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