Studie
Studie
Ökologischer Landbau und Fairer Handel in Entwicklungsländern
- Möglichkeiten nachhaltiger Ertragssteigerung und Beitrag zu Ernährungssicherung und Entwicklung
- Status quo und Potenzialanalyse
Michael Hesse, Katrin Rösner, Anne Hoffmann, Jörg Schumacher, Judith Königsdörfer, Sara Preißel, Moritz Reckling, Andreas Bürkert, Brigitte Kaufmann, Christian Hülsebusch - Witzenhausen, im Juli 2009
- durchgesehene und berichtigte Version vom 22. April 2010 -
Zusammenfassung:
Ökologische Landwirtschaft und Fairer Handel stehen zunehmend im Blickpunkt der Aufmerksamkeit, wenn es darum geht, nachhaltige Alternativen für die Existenz- und Ernährungssicherung der in Armut lebenden Landbevölkerung besonders in den Entwicklungsländern zu entwickeln. Diese Studie zielt darauf ab, einen Überblick über die Argumentationsansätze in vorhandener Fachliteratur aus Wissenschaft und Praxis zu geben, sie zu hinterfragen und Meinungsbilder und Fakten überschaubar darzustellen. Eine weiterführende Betrachtung der Thematik soll durch Fallbeispiele, Experteninterviews und thematische Exkurse erreicht werden.
Es gibt eine große Anzahl von Studien, deren Tenor dahin geht, dass Ökolandbau durchaus in der Lage wäre, die gesamte Menschheit zu ernähren, aber ebenfalls viele, die ihm diese Fähigkeit absprechen. Bei genauer Betrachtung der Argumentationen wird deutlich, dass Menge und Belastbarkeit der vorhandenen Daten in beiden Fällen noch nicht ausreichend sind, um die jeweilige Position zu untermauern. Während für die Beurteilung der Auswirkungen des Fairen Handels schon viele Daten erhoben wurden, ist die Datenlage für eine repräsentative Analyse des Beitrags des Ökolandbaus zur Ernährungssicherung und Armutsbekämpfung noch nicht ausreichend. Besonders in sehr armen und strukturschwachen Gebieten scheint der Erfolg von Ökolandbau und Fairem Handel maßgeblich von der Anwesenheit von NROs oder Entwicklungsprojekten abzuhängen.
In den Studien und den ergänzenden Experteninterviews und Exkursen kommen komplexe Zusammenhänge zum Vorschein, die sowohl die Bedeutung von Infrastruktur, politischen Rahmenbedingungen und Genderfragen deutlich machen, als auch Handlungsbedarf in Nacherntemanagement, Ertragssteigerungen, Ressourceneffizienz und Bodenfruchtbarkeit aufzeigen. Als ein zentraler Punkt wurde die Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung identifiziert. Damit wird eine wirklich nachhaltige Landwirtschaft auch in armen Gegenden und längerfristig die Entwicklung lokaler Märkte zur größeren Unabhängigkeit von Exportmärkten erst ermöglicht.
Es gibt dringenden Forschungsbedarf, insbesondere besteht Bedarf an Langzeitversuchen, um eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Anbaumethoden in verschieden landwirtschaftlichen Produktionssystemen zu gewährleisten. Allerdings lässt sich auf Basis der heutigen Erkenntnisse feststellen, dass die Begleiteffekte des Ökologischen Landbaus eine ganze Reihe positiver sozialer und umweltrelevanter Wirkungen haben, die von konventioneller industrialisierter Landwirtschaft nicht erbracht werden können. Auch aus den Experteninterviews lässt sich entnehmen, dass es mit überschaubarem Aufwand möglich ist, nachhaltige positive Entwicklungen für die Landbevölkerung der Entwicklungsländer einzuleiten.
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